9.2.07

Kohlekraftwerk - quo vadis Teil 2

Gestern gab die SPD Mainz bekannt, dass sie trotz der Informationspolitik der KMW weiterhin voll zum Neubau des KKW steht. SPD-Ratsfraktionsvorsitzender Sucher kritisierte in ungewöhnlich scharfer Form den Wiesbadener SPDler Exner, der ein Moratorium gefordert hatte.

Der Aufsichtsrat der KMW hat dem vom Vorstand vorgelegten Neubau-Vorhaben mittlerweile mit großer Mehrheit zugestimmt. Dies galt auch als wahrscheinlich, da wegen der Arbeitnehmermitbestimmung in großen Unternehmen der Aufsichtsrat zur Hälfte von Arbeitnehmervertretern beschickt wird.

Was sind die wesentlichen vorgebrachten Argumente contra und pro KKW?

Contra:
  • CO2-Ausstoß: Der Ausstoß von C02 sei höher als bei Gaskraftwerken vergleichbarer Leistung und trage zum Klimawandel bei
  • Wirkungsgrad: Der Wirkungsgrad (Verbrennungseffizienz, Energieausbeute) von Kohlekraftwerken sei geringer als der von Gaskraftwerken
  • Optische Verschandelung: Die Silhouette der Stadt werde durch den hohen Schornstein und das Kesselhaus negativ verändert.
  • Verrußung der Stadt, saurer Regen
  • Herkunft der Kohle: Kritisiert wird, dass die Kohle per Schiff von Übersee (Südafrika, etc.) herangeschafft werden soll. Der Transport sei in die Kostenrechnung mit einzubeziehen.
  • Kohle sei Technologie von gestern: Kohle wird entgegengehalten, dass es die älteste Energiegewinnungsressource der Menschheit ist
  • Vor dem Hintergrund des Klimawandels sei auf "Erneuerbare Energien" zu setzen
  • Ohne kostenlose Emmissionszertifikate verschlechtere sich die Wirtschaftlichkeit

Pro:
  • Kohle ist wirtschaftlicher: Die KMW behauptet, mangels Angebot keine Gaslieferungsverträge abschließen zu können. Kohle sei zudem preiswerter.
  • Kohle zukunftsfähig: Kohle sei sehr wohl die älteste aber auch die Ressource mit am meisten Zukunft. Die entdeckten Vorkommen reichten wesentlich länger als die Erdgas- und Ölvorkommen.
  • Der CO2 Ausstoß sei zwar höher als bei Gas aber unter den Grenzwerten. Er trage auch zum Ersatz älterer, ineffizienterer und höher emittierender Kohlekraftwerke bei.
  • In Mainz kein Kohlekraftwerk zu bauen, trage auch nicht positiv zum Klimawandel bei, da dieses Kraftwerk dann anderswo entstünde
  • In Mainz entstünden durch das neue KKW 100 neue Arbeitsplätze, ohne die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen des Baus auf Zuliefer- und Ingenieurbetriebe.
  • Durch den Bau in Mainz falle Gewerbesteuer in Mainz und der Gewinn bei den Unternehmen in städtischem Eigentum an.
  • Der Erhalt eigener Stromproduktion durch die kommunalen Unternehmen mache Mainz von externen Stromproduzenten unabhängig.
  • Der Aufbau von Kraftwerksleistung trage zum erhöhten Wettbewerb in der durch Oligopole und überhöhte Preise geprägten Strommarkt bei.
  • CO2 sei kein Schadstoff, sondern natürlicher Bestandteil der Luft. Saurer Regen sei nicht zu befürchten, denn die Emmissionen seien weit unter den Grenzwerten. Verrußung drohe schon gar nicht, da Rußpartikel gefiltert würden.
  • Die Klimabilanz eines Kohlekraftwerks falle unter Berücksichtigung der Kraft-Wärme-Kopplung wesentlich positiver aus
  • Die kommunalen Unternehmen verpflichten sich in einem politischen Kompromiß zum weiteren Ausbau der sogenannten erneuerbaren Energien
  • Mainz sei Industriestadt, auch Schwerindustrie gehöre fest zur städtischen Kultur.
  • "Erneuerbare Energien" als Ersatz für herkömmlichen Strom sind nicht bezahlbar. Ihr jetziger Anteil an der Stromgewinnung kommt allein dadurch zustande, weil für sie feste, hohe Einspeisepreise festgelegt sind, die auf die günstigen Stromquellen (Kohle, Gas, Atom) umgelegt werden. So steigt der Gesamtpreis des Stroms in Deutschland. Je weiter man den Anteil zugunsten der sog. erneuerbaren Energien steigert, umso stärker steigt der Strompreis an. Sinnvoller sei das Energiesparen. Dies würde sich auch direkt auf die Nachfrage und damit den Preis von Strom auswirken. Würde weniger verbraucht, würde weniger Kohle verbrannt. Das Energiesparen könne zudem von jedem Bürger und Unternehmen durchgeführt werden, es lohnte sich auch für sie finanziell. Wenn bspw. Solarkraft gefördert werde, dann sinnvollerweise in den Ländern, wo am meisten Sonnenausbeute möglich ist. Wo Stromproduktion aus herkömmlichen Quellen eingespart werde, sei für das Klima egal. Daher sollte man sich auf eine europäische Initiative einigen und nicht in Mainz einen sinnlos verpuffenden Sonderweg zulasten der eigenen Stadt gehen.
  • Während Gas aus wenigen und meist politisch heiklen Ländern stammt und das Erpressungspotential wegen der starken Lieferanteile (Russland ca. ein Drittel) hoch sei, sei Kohle ein gute Alternative für Versorgungssicherheit. Kohle kommt aus politisch weniger problematischen Ländern und kommt kein Lieferant hat eine überragende Marktstellung.