In seiner jüngsten Studie, für die er über Jahrzehnte die Lebensläufe hessischer Schule auswertete, kommt Pädagogikprofessors Helmut Fend zum Ergebnis, dass sich die Gesamtschule nicht positiv auf die Bildungschancen sozial schwacher Schüler auswirkt.
Linke Bildungspolitiker fordern immer wieder die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems und die Einführung der Gesamtschule für alle Schüler. Auch in Mainz machten sich SPD und Grüne vor kurzem erneut reflexartig für die Einführung einer weiteren Integrierten Gesamtschule (IGS) stark. Ihr Hauptargument, für dass sie auch Ergebnisse der PISA Studie heranziehen: In Deutschland hänge der Bildungserfolg zu sehr von der sozialen Herkunft ab. Die Studie von Prof. Fend, der sich selbst als früheren Gesamtschul-Anhänger beschreibt, entkräftet diese Argumentation.
Von der CDU wird die "Einheitsschule" wegen der fehlenden Differenzierungsmöglichkeiten ohnehin abgelehnt.
Viel spricht dafür, dass die Bedeutung der Schule für den Bildungserfolg von Kindern über- und die Bedeutung des Elternhauses unterschätzt wird.
Wichtig wäre es, einen Einstellungswechsel bei der Elternschaft herbeizuführen. Denn es ist zwangsläufig, dass Kinder bessere Chancen haben, wenn ihre Eltern sich aktiv für ihre Zukunftsperspektiven einsetzen. Kinder müssen auch zuhause gefordert und gefördert werden. Es reicht nicht aus, bloß auf die Schule zu verweisen als der Ort, wo "Bildung" stattzufinden habe. Entscheidend ist die Vorbildfunktion der Eltern.
Ein Irrtum wäre es hingegen zu glauben, dass eine bestimmte Schulform allein irgendetwas bewirken könnte. Eine Gesamtschule könnte die bestehenden Probleme allenfalls maskieren. Problematische Schüler würden lediglich in der großen Zahl ihrer Mitschüler untergehen.
Es ist daher zu hoffen, dass diese neue Studie ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Überwindung des alten Parteienstreits (dreigliedriges Schulsystem vs. Gesamtschule) ist. Wichtig sind pragmatische Lösungen. So sollten an Problemschulen oder Schulen, wo besonders viele sozial schwache Schüler unterrichtet werden, ein höherer Lehrerschlüssel und mehr Sozialarbeiter eingesetzt werden. Diese Schüler brauchen nicht ein anderes Schulsystem, sie brauchen Perspektiven, Unterstützung und Motivation.