16.12.07

Besuch des AKW Biblis


Die JU Mainz hat zusammen mit der JU Wiesbaden und der JU Mainz-Bingen anlässlich der Wiederinbetriebnahme eines der Reaktoblöcke das RWE-Atomkraftwerk (AKW) Biblis besichtigt.

Auf besonderes Interesse stießen bei den knapp 30 Teilnehmern die Hintergründe der Stilllegung von Block A und B des Kraftwerkes. RWE hat die Betriebspause genutzt, um Wartungs- und Revisionsarbeiten vorzuziehen.

Wegen vom hessischen Umweltministerium beanstandeter falsch montierter Dübel konnte der Meiler längere Zeit nicht gefahren werden. Diese Vorkommnisse bestätigen den hohen Sicherheitsstandard des deutschen Atomrechts. Die Dübel wurden erst nach Errichtung des AKW eingebaut, um im Erdbebenschutz den neusten Stand der Technik umzusetzen. Bei baugleichen AKWs im Ausland sind diese Maßnahmen nie ergriffen worden. Dadurch dass Deutschland seinen Energiemix mit Atomstrom aus deutschen AKWs beibehält bewahrt es sich auch den Zugriff auf die Sicherheitsstandards bei der Atomstromproduktion. Auch aus diesem Grund ist die JU Mainz gegen den Atomausstieg zum jetzigen Zeitpunkt, da Deutschland ohne seine AKWs auf den Import von (Atom-) Strom aus dem Ausland angewiesen sein wird, ohne dass dort notwendigerweise die selben Sicherheitsstandards gelten. In Deutschland würde mit einem Atomausstieg auch der Abbau von Know-How im Zusammenhang mit der Kernspaltung verloren gehen, der durch Ausbildung und Fachkräfteaustausch auch der Sicherung ausländischer Meiler zugutekommt.

Insbesondere vor dem Hintergrund der Ablehnung neuer Kohlekraftwerke und dem von der ehemaligen rot-grünen Regierung eingeleiteten Atomausstieg stellt sich für Deutschland die Frage, wie es über die Hälfte seiner Stromproduktion, die momentan mit Kohle- und Atomkraftwerken hergestellt werden, ersetzen möchte.

Der Ersatz von AKWs durch andere Stromerzeugungstechniken wird auch die CO2-Bilanz Deutschlands zwangsläufig verschlechtern. Atomstrom hat überraschenderweise - wenn man den Bau und die Rohstoffgewinnung miteinbezieht - eine wesentlich bessere CO2 Bilanz als etwa Solarstrom, da Photovoltaikzellen beispielsweise noch so viel Energie zu ihrer Herstellung benötigen, wie sie in frühstens 6-8 Jahren wieder "reinholen". Diese Zusammenhänge sind allerdings der breiten Öffentlichkeit nicht im Bewußtsein, die bei Erneuerbaren Energien stets davon ausgeht, dass diese zu null Kosten quasi unbegrenzt zur Verfügung stehen. Aber auch dem SPD-Vorsitzenden Kurt Beck sind solche Zusammenhänge nicht bewusst, wie seine Einlassungen zur CO2-Bilanz der Kernenergie gezeigt haben. Beck musste sich dann auch korrigieren lassen.

Die Kernenergie sieht die JU Mainz vor allem wegen des bisher ungelösten Entsorgungsproblems als Übergangstechnologie, die zu günstigen Preisen und ohne hohen CO2-Ausstoß Zeit verschafft, um die Entwicklung der Marktreife sogenannter Erneuerbarer Energien und vor allem die Reduktion von Stromverbrauch und -verschwendung zu ermöglichen.