Wie gestern in der Zeitung erschienen verurteilt die JU Mainz die Vernachlässigung der Goetheschule und der Hauptschulen im Allgemeinen durch die rheinland-pfälzische Landesregierung (siehe früherer Blog-Artikel).
Bildungsministerin Doris Ahnen, SPD, hielt es nicht für nötig, die fünf Minuten von ihrem Dienstsitz zur Goetheschule zu fahren, um am Runden Tisch teilzunehmen. Sie schickte nicht einmal einen Mitarbeiter.
Stattdessen soll jetzt mit Mitteln der Sozialen Stadt - einem Förderprogramm zur Bekämpfung der zunehmenden sozialen und räumlichen Spaltung in deutschen Städten - eine 10.000 Euro-Stelle finanziert werden. Die personelle Ausstattung von Schulen ist aber Sache des Bildungsministeriums. Dafür auf Mittel der Sozialen Stadt zurückzugreifen ist ein Armutszeugnis sozialdemokratischer Bildungspolitik, die sich schon zuletzt nur auf Flickschusterei und Namensänderungen beschränkte.
Die 10.000 Euro-Teilzeitkraft wird nicht zur dauerhaften Bezugsperson für hilfebedürftige Schüler werden können. Denn sie wird mit Auslaufen der Finanzierung nach spätestens einem Jahr wieder fort sein. So sieht kein ernsthafter Lösungsansatz aus. Dieses Vorgehen erinnert eher an Augenwischerei und scheint hauptsächlich den Zweck zu verfolgen, das Problem öffentlichkeitswirksam durch eine scheinbare Lösung zu beerdigen.
Die SPD-Landesregierung muß sich fragen lassen, warum ihr die Situation an den Hauptschulen so entglitten ist und die Abstimmung mit den Füßen seitens Eltern- und Schülerschaft das Ende dieser Schulform eingeleitet hat. Aus Sicht der Befürworter des dreigliedrigen Schulsystems hat die SPD den Tod der Hauptschule billigend in Kauf genommen, um ihrem ideologischen Ziel - der Gesamtschule für alle - näher zu kommen. Die SPD muss sich fragen lassen, warum die in Bayern oder Baden-Württemberg von bis zu einem Drittel der Schülerschaft besuchte Hauptschule noch bestens funktioniert und diese Länder etwa bei PISA trotzdem deutlich besser abschneiden als jene Bundesländer, wo die SPD Bildungspolitik gemacht hat.
Diesen Fragen verweigert sich die rheinland-pfälzische SPD. Symptomatisch dafür sind die Abläufe an der Goetheschule. Frau Ahnen erweckt den Eindruck, dass sie Probleme ignoriert, wenn sie nicht in ihr Weltbild passen.
Dabei ist es eine Binsenweisheit, dass Problemlösung zuallererst eine schonungslose Betrachtung der Lage voraussetzt.